Der Panzer III Ausf.M - "Marlene"

Die Geschichte nach dem 2.Weltkrieg

1985 wandte sich die Kameradschaft der Angehörigen des ehemaligen Deutschen Afrikakorps an die Abteilung VII (Panzertruppen) im Heeresamt in Köln mit der Bitte, einen in Tunesien in Nähe des deutschen Militärfriedhofs Bordj Cedria stehenden Panzer III, der der Kameradschaft gehöre, in Obhut der Bundeswehr zu übernehmen und nach Deutschland für das Panzermuseum Munster zu überführen.

Für die ehemaligen Soldaten Generalfeldmarschall Rommels war der Panzer ein unverzichtbares Stück Erinnerung.

Er hatte ursprünglich inmitten der Gräber des von der Wehrmacht angelegten deutschen Soldatenfriedhofs "La Monarghia" gestanden und hatte dort schon in den 60er Jahren die Funktion eines Monumentes gehabt, auf dem bei Gedenkfeiern die Kränze nidergelegt wurden.

Der damalige Dezernent, Oberstleutnant Reitemeier, schickte Kopien des Schriftverkehrs an die Kampftruppenschule 2 mit der Anregung, den Vorschlag aufzugreifen. Recherchen der Kampftruppenschule 2 über die deutsche Botschaft in Tunis ergaben, dass der Sachverhalt komplexer war. Die tunesische Armee betrachtete sich immer noch als Eigentümer. Sie hatte das Wrack, dass nur anlässlich der Einweihung des zentralen deutschen Soldatenfriedhofs des

"Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge" in Bordj Cedria aufgestellt werden durfte, auf Bitten der Angehörigen des DAK in einer Kaserne der Armee in Enfida-Ville sichergestellt.

Dem Kommandeur der Kampftruppenschule 2, dem damaligen Brigadegeneral Ahrens, gelang es durch Kontakte zu einem ehemaligen Angehörigen eines "Lehrgangs für zivile Führungskräfte", Herrn Ischinger, der zum persönlichen Stab des Bundesaußenminister Genscher gehörte, eine diplomatische Anfrage einzuleiten. Als Ergebnis schloss der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Herr Würzbach, am 06.04.1986 im Rahmen der Ausrüstungshilfe der tunesischen Armee in Tunis einen Vertrag ab, der unter dem Punkt "Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Militärgeschichte" die Rückgabe des Panzerkampfwagen III gegen eine Auswahl von Handwaffen und Uniformen des Ehemaligen Deutschen Afrikakorps regelte. Dem Kommandeur gelang es auch, während eines "Lehrgangs für zivile Führungskräfte" 1985 einen Sponsor für den Transport zu gewinnen: Den Vorsitzenden des Vorstandes der Firma Readymix-Beteiligungsgesellschaften AG, Herrn Dr. jur. Hermann Warmke. Versuche, den Transport durch die deutsche Marine durchführen zu lassen, waren ergebnislos geblieben. Auf Kosten des Sponsors reisten der Geschäftsführer des mit der Durchführung des Transports beauftragten Unternehmens "Westdeutscher Baubedarf GmbH", in Ratingen, Herr Lehn, und der Leiter der Lehrsammlung, Oberstleutnant Grundies, vom 17.07. bis 21.07.1986 nach Tunis, um dort des Panzer zu übernehmen. Der tunesische Verteidigungsminister, S.E. Slaheddine Baly vollzog die formelle Übergabe an den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland S.E. Herr Bente in feierlicher Form im Verteidigungsministerium. Dabei überreichte der Leiter der Lehr- sammlung mitgeführte Erinnerungsstücke an das ehemalige deutsche Afrikakorps.

Der schwerbeschädigte Panzerkampfwagen III traf per Schiff am 11.08.1986 in Hamburg ein und wurde mit einem Schwerlasttransporter des 5. Zuges der 2./InstBtl 3 nach Munster überführt. Das Foto von der Heimkehr des "letzten Afrikakorps-Kämpfers" nach Deutschland ging durch die internationale Presse der westlichen Welt.

Die schweren Schäden waren einem Mitarbeiter der Kampftruppenschule 2, dem Panzerschlosser Karl-Heinz (Kalle) Weber, bereits bekannt. Er war auf Kosten des Vereins der Freunde und Förderer des Panzermuseums Munster vom 06.07. bis 12.07.1986 im Vorlauf zum Schiffstransport nach Tunis geflogen, um den Panzer transportfähig zu machen.

Der Turm war in Richtung neun Uhr verklemmt, so dass beim Straßentransport von der tunesischen Kaserne zum Hafen das Rohr des Panzers in die Fahrbahn geragt hätte, Es musste mit einem Schweißbrenner abgetrennt werden!

Es fehlten nicht herstellbare Bauelemente: Laufrollen, Stützrollen und die Ketten. Triebwerk und Drehstäbe waren zerstört, weil der Panzer durch seine Besatzung offensichtlich nach dem Verlassen in Brand gesetzt worden war und über Stunden hin gebrannt hatte. Die Unterseite des Motors war verschmolzen, die Drehstäbe zum Teil zerstört, die Mehrzahl der Drehstablagerungen verschweißt.

Ohne in der Lage zu sein, die fehlenden oder zerstörten Bauteile beizustellen, mochte die Schule die Restaurierung niemanden antragen.

Deren Beschaffung hatte daher absolute Priorität. Es begann eine intensive Suche. August 1986 reisten zwei ehemalige Angehörige der Kampftruppenschule 2 und zugleich Veteranen der ehemaligen Wehrmacht, Herr Hauptmann a.D. Martin Lange und Herr Christel Schwarzmann, auf einen in Fachkreisen bekannten Schrottplatz bei Trun/Falaise in der Normandie, um dort Ersatzteile zu bergen. Die Fahrkosten übernahm wiederum der Verein der Freunde und Förderer des Panzermuseums Munster. Die Kosten (5 Franc pro Kilo) für das geborgene Material stiftete Herr Christian Hoebig aus Crumstadt (bei Darmstadt) als Dank für die Beratung, die beide Herren ihm bei der Suche nach Material für eine eigene Restaurierung leisteten. Hier gelang es, die benötigten Laufrollen, Stützrollen und einen Teil der benötigten Ketten zu bergen. Sie wurden über die Logistikorganisation der Bundeswehr in Frankreich ins Heeresinstandsetzungswerk 850 in Darmstadt transportiert. Dorthin war zwischenzeitlich (03.12.1986) das Wrack geschafft worden, weil der Leiter dieses Werkes als ehemaliger Munsteraner die Restaurierung mit Genehmigung des Heeresingenieurs in Angriff nehmen wollte.

Danach war bald zu erkennen, dass dort die Instandsetzung aus betriebsinternen Gründen frühestens nach mehreren Jahren beginnen konnte. Panzer und Ersatzteile wurden daher im Spätherbst 1988 weiter nach Westen, in das Heeresinstandsetzungswerk 860 in St. Wendel/Saar transportiert, mit dessen hervorragenden Personal die Schule bei der Restaurierung des Panzer IA 1986-1988 so gute Erfahrung gemacht hatte.

Die Zustimmung des zuständigen Versorgungskommandos erreichte der ehemalige Kommandeur der KTS 2, Generalmajor Ahrens, inzwischen stellvertretender kommandierender General des I. Korps.

Die Lehrsammlung hatte den Ehrgeiz, gerade diesen Panzer möglichst mit dem Original Maybach-Motor HL 120 TRM fahrbereit zu machen, weil er der erste "Standartpanzer" der Wehrmacht gewesen ist, der in großer Stückzahl produziert worden ist und an allen Fronten eingesetzt war. Nach mehrjährigen Bemühungen gelang es im März 1989, einen Privatsammler und außerordentlichen Freund der deutschen Militärgeschichte, Herrn Heinz Dehnhardt aus Meinerzhagen dazu zu bewegen, einen Original-Austauschmotor abzugeben, den er ein Jahrzehnt zuvor in Norwegen erworben hatte. Schweren Herzens trennte er sich für die "gute Sache" von ihm, um die Restaurierung zu ermöglichen.

Mit genehmigung des BMVg erhielt er aus dem Gerätedepot Hesedorf einen Kranwagen Lkw 13t, der zur Verwertung vorgesehen war. Nicht mehr als eine kleine Dankesgeste!!!

Auf Erfahrung des Personals der Panzerwerkstätten der Kampftruppenschule fußend, wurden im Heeresinstandsetzungswerk 860 die zerstörten Drehstäbe durch Drehstäbe des Kampfpanzers M 48 ersetzt. Die durch Brand verzogene Wanne musste vorher gerichtet werden. Zum Ausbau der durch die Hitze verschweißten Drehstäbe, der durch die Azubis im Rahmen ihrer Ausbildung nicht zu bewältigen war, wurden die Panzerschlosser Herr Karl-Heinz (Kalle) Weber und Herr Willi Hanke vom 20.-24.08.1990 nach St. Wendel abgeordnet, um diese körperlich harte, schmutzige und technisch schwierige Arbeit zu bewältigen.

Noch fehlende Kettenglieder konnten durch die Kampftruppenschule 2 bereitgestellt werden, die zwischenzeitlich im Tausch Material vom finnischen Panzermuseum in Parolannummi erhalten hatte. Die Laufrollen mussten neu gelagert und gummiert werden. Die Kosten wurden aus dem Restaurierungstitel der Stadt Munster gezahlt.

Beim Übergabeappell des Heeresinstandsetzungswerkes 860 von Oberst Dipl. Ing. Hörner an den Nachfolger Oberst Dipl. Ing. Heyner am 25.09.1990 zeigte der aufgefahrene Panzer III den zahlreichen Ehrengästen, zu welchen Leistungen das militärische und zivile Personal des Werkes "nebenher" fähig ist.

Am 27.09.1990 wurde der fahrbereite, fertig restaurierte Panzer in Anwesenheit des stellvertretenden Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Schulz, feierlich an den Kommandeur der Kampftruppenschule 2 (Panzertruppenschule), Brigadegeneral Schultze-Rhonhof übergeben.
300 ehemalige Angehörige des ehemaligen Deutschen Afrikakorps waren aus diesem Anlass nach Munster zu einem Jahrestreffen angereist!